Die Zukunft der industriellen Antriebstechnik aktiv mitgestalten

Drei Frage an David Kater zum Forschungsprojekt DC-Industrie2

Was ist das Projektziel/der Projektstand?

„Gleichstrom für die Fabrik der Zukunft“ – mit diesem Leitsatz ist das Forschungsprojekt „DC-INDUSTRIE2“ gestartet. Kurz gesagt sollen die Potenziale der Gleichstromtechnik für industrielle Produktionsanlagen besser genutzt werden. DC-INDUSTRIE2 schließt direkt an das sehr erfolgreiche Forschungsprojekt DC-INDUSTRIE an, in dem die Entwicklung, Anpassung und Erprobung von leistungselektronischen Geräten für die Versorgung und das Schützen von DC-Netzen in Produktionszellen sowie Methoden für deren robuste Betriebsführung im Vordergrund standen. In der zweiten Phase soll das DC-Netz nun zu einem intelligenten DC-Netz für eine Produktionshalle oder eine prozesstechnische Großanlage ausgeweitet werden. Mit 35 Industriepartnern, fünf Forschungsinstituten sowie dem Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI), der das Projekt im Rahmen seiner Verbandstätigkeit mit einem Industriearbeitskreis unterstützt, ist DC-INDUSTRIE2 eines der größten Verbundforschungsprojekte in Deutschland.

Welchen Part übernimmt KEB im Projekt?

Bereits seit vielen Jahren entwickeln wir auf Maschinenebene für Kunden DC-Systemlösungen bestehend aus aktiven Einspeisegeräten (Active Infeed Converter, AIC), mehreren Frequenzumrichtern und geeigneten EMV-Filterlösungen. Für das Vorgängerprojekt DC-INDUSTRIE haben wir Antriebsregler-Demonstratoren entwickelt, die künftig zusammen mit KEB-AICs und den dazugehörigen EMV-Filtereinheiten in den Modellanlagen eingesetzt und evaluiert werden sollen.
Im Vergleich zum Vorgängerprojekt ergeben sich durch die größere Ausdehnung des DC-Netzes neue Herausforderungen an die Komponenten, insbesondere mit Blick auf die elektromagnetische Verträglichkeit des Systems. Wir arbeiten zum Beispiel an Lösungen, mit denen parallel betriebene Einspeisegeräte nicht mehr zwangsläufig durch schwere und ineffiziente Trenntransformatoren entkoppelt werden müssen, sondern durch eigens entwickelte EMV-Filter eine entsprechend hohe Gleichtaktunterdrückung erreichen. Diese Gleichtaktunterdrückung ist notwendig, damit alle am Netz beteiligten Komponenten mit einer sauberen DC-Spannung versorgt werden und ungestört funktionieren.

Was ist für uns das praktische Ziel unserer Beteiligung?

Wir sehen die Chance, die Zukunft der industriellen Antriebstechnik aktiv mitzugestalten. Alle Teilnehmer verbindet das Ziel, Rahmenbedingungen und Spezifikationen für ein herstelleroffenes DC-Netz zu erarbeiten, mit denen das große Potenzial der DC-Versorgung ausgeschöpft werden kann. Wir möchten unseren Teil dazu beitragen, indem wir unsere Erfahrung und unser Know-how über konventionelle DC-Verbundsysteme und EMV einbringen. Nur durch die aktive Mitarbeit von Herstellern aller notwendigen Komponenten – von der Einspeisetechnik über Antriebs- und Schutztechnik bis zur Verbindungstechnik – sowie der Forschungsinstitute ist es möglich, ein effizientes und überzeugendes DC-Netz zu konzipieren.
 

Interview von Daniel Kappmeyer